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Erkältung, Grippe oder COVID-19: Unterschiede bei Symptomen und Verlauf

Atemwegsinfektionen mit ähnlichen Beschwerden

Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Fieber oder Erschöpfung können bei einer Erkältung, einer Influenza und bei COVID-19 auftreten. Der Verlauf liefert manchmal Hinweise, eine sichere Unterscheidung allein anhand der Beschwerden ist jedoch nicht möglich.

Für die meisten gesunden Menschen mit milden Symptomen steht zunächst die Erholung zu Hause im Vordergrund. Bei Risikofaktoren, stärkeren Beschwerden oder einer deutlichen Verschlechterung kann eine medizinische Abklärung wichtiger sein.

Morgens kratzt der Hals, am Nachmittag kommt Husten dazu und am nächsten Tag fühlt man sich schlapp. Gerade in der kalten Jahreszeit stellt sich dann schnell die Frage, ob es nur eine Erkältung ist oder doch eine Grippe beziehungsweise COVID-19.

Ganz so einfach lässt sich das nicht beantworten. Viele Atemwegsviren verursachen ähnliche Beschwerden, und auch der typische Verlauf einer Erkrankung trifft nicht auf jeden Menschen zu. Trotzdem gibt es Unterschiede, die bei der ersten Einordnung helfen können.

Eine Erkältung entwickelt sich häufig allmählich

Eine gewöhnliche Erkältung wird von verschiedenen Viren ausgelöst. Häufig beginnt sie mit einem Kratzen im Hals, Niesen oder einer laufenden Nase. Im Laufe der nächsten Tage können Husten und ein allgemeines Gefühl von Müdigkeit dazukommen.

Fieber ist möglich, tritt bei einer unkomplizierten Erkältung aber seltener auf als bei Influenza oder COVID-19. Viele Betroffene können ihren Alltag zumindest eingeschränkt weiterführen, auch wenn sie sich einige Tage deutlich weniger belastbar fühlen.

Schnupfen und eine verstopfte oder gereizte Nase stehen bei Erkältungen oft stärker im Vordergrund. Informationen zu Produkten rund um die Pflege und Behandlung der Nase finden Sie in unserem Bereich Nasengesundheit.

Meist klingen die Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder ab. Husten kann allerdings länger bleiben, obwohl man sich ansonsten schon wieder gesund fühlt.

Influenza beginnt oft plötzlich und deutlich heftiger

Bei einer echten Grippe kann der Wechsel vom normalen Befinden zum ausgeprägten Krankheitsgefühl innerhalb weniger Stunden erfolgen. Typisch sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Husten und eine starke Erschöpfung.

Dieses klassische Bild ist allerdings keine feste Regel. Nach Angaben des RKI entwickelt nur ein Teil der Infizierten den typischen fieberhaften Verlauf. Andere Menschen haben mildere Beschwerden oder sogar keine wahrnehmbaren Symptome.

Gerade deshalb ist die häufig verwendete Unterscheidung „Erkältung langsam, Grippe plötzlich“ nur eine Orientierung. Sie kann den Verdacht lenken, ersetzt aber keine Diagnose.

Schwerere Verläufe treten vor allem bei älteren Menschen, Schwangeren, Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem häufiger auf. Zu den möglichen Komplikationen gehört beispielsweise eine Lungenentzündung.

COVID-19 hat kein eindeutiges Symptommuster

COVID-19 kann heute wie eine leichte Erkältung aussehen, aber auch mit Fieber, stärkeren Kopf- und Gliederschmerzen oder ausgeprägter Schwäche verlaufen. Husten, Schnupfen und Halsschmerzen gehören weiterhin zu den häufigen Beschwerden.

Der früher besonders bekannte Verlust von Geruchs- oder Geschmackssinn ist bei neueren Virusvarianten deutlich seltener geworden und eignet sich deshalb nicht als zuverlässiges Erkennungsmerkmal.

Bei manchen Patienten kommt Atemnot hinzu. Zudem unterscheidet sich COVID-19 von einer gewöhnlichen Erkältung dadurch, dass nach der akuten Infektion länger anhaltende Beschwerden im Sinne von Long COVID auftreten können.

Symptome allein reichen für eine sichere Unterscheidung nicht aus

Eine Erkältung, Influenza und COVID-19 lassen sich nicht zuverlässig allein anhand der Symptome unterscheiden. Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Fieber und Erschöpfung überschneiden sich zu stark, und keine der Erkrankungen muss immer „typisch“ verlaufen.

Eine Vergleichstabelle mit grünen Häkchen und roten Kreuzen wirkt zwar übersichtlich, bildet die Realität aber nur unzureichend ab. Ein Mensch mit Influenza muss nicht zwingend hohes Fieber haben, und COVID-19 kann sich auf Beschwerden beschränken, die genauso gut zu einer gewöhnlichen Erkältung passen würden.

Auch das Alter spielt eine Rolle. Ältere Menschen entwickeln bei einer Influenza beispielsweise nicht immer Fieber, obwohl die Erkrankung für sie ein erhöhtes Risiko darstellen kann.

Tests sind nicht bei jedem Schnupfen notwendig

Bei leichten Beschwerden eines ansonsten gesunden Menschen verändert die genaue Bezeichnung des verursachenden Virus häufig wenig am unmittelbaren Vorgehen: ausruhen, ausreichend trinken, Kontakte reduzieren und die Beschwerden beobachten.

Anders kann es aussehen, wenn ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht. Für diese Personen kann es medizinisch relevant sein, früh zu wissen, ob eine Influenza oder COVID-19 vorliegt, weil in bestimmten Fällen eine gezielte antivirale Behandlung infrage kommt.

Ein Schnelltest kann einen Hinweis liefern, hat aber Grenzen. Ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion nicht sicher aus. Insbesondere zu Beginn oder bei niedriger Virusmenge kann ein Antigentest negativ bleiben, obwohl bereits eine Infektion besteht.

Eine frühe Diagnose kann bei Risikopatienten wichtig sein

Antivirale Medikamente sind keine allgemeine Standardbehandlung für jede Erkältung und werden auch nicht bei jedem Fall von Influenza oder COVID-19 benötigt.

Bei Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf kann eine frühzeitige Behandlung jedoch infrage kommen. Dabei spielt der Zeitpunkt eine Rolle: Einige antivirale Therapien wirken am besten, wenn sie früh nach Beginn der Beschwerden eingesetzt werden.

Wer zu einer Risikogruppe gehört und plötzlich deutliche Atemwegssymptome entwickelt, sollte deshalb nicht mehrere Tage abwarten, wenn eine gezielte Therapie möglicherweise relevant wäre. Die Entscheidung darüber gehört in ärztliche Hände.

Leichte Beschwerden lassen sich meist zu Hause behandeln

Bei einer unkomplizierten Atemwegsinfektion ist vor allem Ruhe gefragt. Ausreichend trinken, schlafen und körperliche Belastung reduzieren hilft dem Körper bei der Erholung.

Medikamente können einzelne Beschwerden lindern, zum Beispiel Schmerzen, Fieber oder eine verstopfte Nase. Sie verkürzen eine einfache Erkältung jedoch in der Regel nicht wesentlich. Auch sollte nicht jedes Symptom automatisch behandelt werden, nur weil ein entsprechendes Präparat im Medizinschrank liegt.

Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, chronische Erkrankungen hat oder für bestimmte Wirkstoffe Gegenanzeigen bestehen könnten, sollte vor zusätzlichen rezeptfreien Präparaten auf mögliche Wechselwirkungen achten.

Warnzeichen gehören nicht in die normale Erkältungsbehandlung

Ein leichter Husten über einige Tage ist etwas anderes als zunehmende Atemnot oder starke Brustschmerzen. Solche Beschwerden sollten nicht einfach als „stärkere Grippe“ zu Hause ausgesessen werden.

Eine schnelle medizinische Abklärung ist insbesondere bei deutlicher Atemnot, starken Brustschmerzen, Bewusstseinsstörungen oder einem sehr schlechten Allgemeinzustand erforderlich.

Auch weniger dramatische Verläufe können einen Arztbesuch notwendig machen. Dazu gehören beispielsweise Beschwerden, die sich nach anfänglicher Besserung wieder deutlich verschlechtern, länger anhaltendes hohes Fieber oder ein ungewöhnlich langwieriger Verlauf.

Bei älteren Menschen, Schwangeren, immungeschwächten Patienten und Personen mit relevanten chronischen Erkrankungen sollte die Schwelle für eine medizinische Abklärung niedriger liegen.

„Grippaler Infekt“ ist keine echte Grippe

Die deutsche Bezeichnung sorgt regelmäßig für Verwirrung. Ein „grippaler Infekt“ ist normalerweise nichts anderes als eine Erkältung. Mit einer durch Influenzaviren verursachten Grippe hat der Begriff medizinisch nichts zu tun.

Wer also vom Arzt einen „grippalen Infekt“ diagnostiziert bekommt, hat damit nicht automatisch eine Influenza. Für die echte Grippe wird üblicherweise die Bezeichnung Influenza verwendet.

Symptome geben Orientierung, aber keine sichere Diagnose

Der Verlauf kann einen ersten Hinweis liefern: Eine Erkältung entwickelt sich häufig eher schrittweise, während eine Influenza oft plötzlich und mit stärkerem Krankheitsgefühl beginnt. COVID-19 kann sich in beide Richtungen bewegen.

Für die Entscheidung, ob eine genaue Erregerdiagnostik nötig ist, sind deshalb nicht nur einzelne Symptome wichtig, sondern auch deren Stärke, der bisherige Verlauf und das persönliche Risiko für Komplikationen.

Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Diagnose. Bei Atemnot, starken Brustschmerzen, Bewusstseinsstörungen, deutlicher Verschlechterung oder einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf sollte medizinischer Rat eingeholt werden.

Quellen