Was sollte man bei der Kombination von Medikamenten beachten?
Mehrere Medikamente gleichzeitig einzunehmen ist nicht automatisch gefährlich. Entscheidend ist, welche Wirkstoffe miteinander kombiniert werden. Manche Arzneimittel können sich gegenseitig verstärken, abschwächen oder das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen.
Auch rezeptfreie Mittel, Nahrungsergänzungsmittel, pflanzliche Präparate, Alkohol und bestimmte Lebensmittel können dabei eine Rolle spielen.
Ein Medikament gegen Bluthochdruck am Morgen, später eine Schmerztablette, dazu Magnesium und am Abend vielleicht noch ein Mittel gegen Erkältungsbeschwerden: Für viele Menschen fühlt sich das nicht wie eine komplizierte Kombination an.
Aus medizinischer Sicht zählt aber nicht, ob ein Präparat vom Arzt verschrieben wurde oder einfach in der Hausapotheke lag. Entscheidend sind die enthaltenen Wirkstoffe und die Frage, wie sie sich gegenseitig beeinflussen.
Solche Wechselwirkungen sind nicht bei jeder Kombination zu erwarten. Sie sind aber ein guter Grund, Medikamente nicht allein nach dem Prinzip „das habe ich schon einmal genommen“ miteinander zu kombinieren.
Was bedeutet Wechselwirkung eigentlich?
Von einer Wechselwirkung spricht man, wenn ein Medikament die Wirkung eines anderen Arzneimittels beeinflusst oder wenn beispielsweise Lebensmittel, Alkohol oder andere Stoffe verändern, wie ein Wirkstoff im Körper aufgenommen oder abgebaut wird.
Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Ein Arzneimittel kann stärker wirken als vorgesehen, schwächer werden oder länger im Körper bleiben. In anderen Fällen verändern sich vor allem die Nebenwirkungen.
Eine Wechselwirkung bedeutet also nicht automatisch eine Vergiftung. Sie kann auch darin bestehen, dass eine Behandlung weniger gut funktioniert oder bestimmte unerwünschte Wirkungen wahrscheinlicher werden.
gesund.bund.de weist darauf hin, dass Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Lebensmitteln zu Nebenwirkungen beitragen können. Eine Ursache kann beispielsweise sein, dass Stoffe Enzyme beeinflussen, die am Abbau von Arzneimitteln beteiligt sind.
Warum zwei Medikamente zusammen anders wirken können
Ein Wirkstoff verschwindet nach der Einnahme nicht einfach im Körper. Er wird aufgenommen, verteilt, teilweise umgewandelt und schließlich ausgeschieden. Andere Wirkstoffe können einzelne Schritte dieses Prozesses verändern.
Daneben gibt es Kombinationen, bei denen zwei Medikamente ähnliche Wirkungen haben. Dann kann sich der gewünschte Effekt verstärken – möglicherweise aber auch eine unerwünschte Wirkung.
Wie relevant eine solche Wechselwirkung tatsächlich ist, hängt unter anderem von Wirkstoff, Dosierung, Einnahmezeit, Alter, Begleiterkrankungen und weiteren Medikamenten ab. Deshalb lassen sich Wechselwirkungen selten sinnvoll allein anhand der Anzahl der Tabletten beurteilen.
Rezeptfrei bedeutet nicht automatisch problemlos kombinierbar
Ein häufiges Missverständnis ist, dass nur verschreibungspflichtige Medikamente miteinander wechselwirken können.
Auch rezeptfreie Präparate enthalten pharmakologisch wirksame Stoffe. Ein Schmerzmittel, ein Mittel gegen Sodbrennen oder ein Erkältungspräparat kann deshalb für die Beurteilung einer bestehenden Medikation relevant sein.
Besonders leicht wird das übersehen, wenn ein rezeptfreies Medikament nur für wenige Tage genommen werden soll. Gerade dann wird es beim Arzt oder in der Apotheke manchmal gar nicht als Teil der eigenen Medikation erwähnt.
Wichtig ist nicht, wo ein Präparat gekauft wurde. Für mögliche Wechselwirkungen zählt, welcher Wirkstoff enthalten ist und was gleichzeitig eingenommen wird.
Wenn derselbe Wirkstoff zweimal in der Hausapotheke liegt
Nicht immer besteht das Problem aus einer komplizierten chemischen Wechselwirkung. Manchmal wird schlicht derselbe Wirkstoff versehentlich doppelt eingenommen.
Das kann passieren, wenn zwei Produkte unterschiedliche Handelsnamen tragen oder ein Kombinationspräparat einen Wirkstoff enthält, der zusätzlich noch als Einzelpräparat genommen wird.
Deshalb lohnt es sich besonders bei Erkältungs-, Schmerz- und Kombinationspräparaten, nicht nur den Namen auf der Vorderseite zu lesen. Ein Blick auf die Wirkstoffe kann verhindern, dass etwas unbeabsichtigt doppelt verwendet wird.
Nahrungsergänzungsmittel gehören ebenfalls auf die Medikamentenliste
Vitamine, Mineralstoffe und pflanzliche Präparate werden von vielen Menschen nicht als „richtige Medikamente“ betrachtet. Für die Beurteilung möglicher Wechselwirkungen können sie trotzdem relevant sein.
Das gilt besonders für hoch dosierte Präparate und pflanzliche Produkte. MedlinePlus nennt Wechselwirkungen ausdrücklich nicht nur zwischen Arzneimitteln, sondern auch zwischen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln. Die Empfehlung lautet deshalb, Arzt oder Apotheke auch über Vitamine, Supplements und pflanzliche Präparate zu informieren.
Auch das NHS weist bei seinen Arzneimittelinformationen regelmäßig darauf hin, dass pflanzliche Mittel, Vitamine und Nahrungsergänzungen bei der Prüfung der Medikation berücksichtigt werden sollten.
Auch Lebensmittel können die Wirkung beeinflussen
Bei den meisten Medikamenten ist normales Essen kein Problem. Einige Wirkstoffe reagieren jedoch empfindlich darauf, was gleichzeitig gegessen oder getrunken wird.
Ein bekanntes Beispiel ist Grapefruit. Bestimmte Inhaltsstoffe können Enzyme im Darm beeinflussen, die am Abbau verschiedener Medikamente beteiligt sind. Dadurch können bei einzelnen Wirkstoffen höhere Mengen in den Körper gelangen als vorgesehen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Grapefruit grundsätzlich mit allen Medikamenten unverträglich ist. Die Wechselwirkung betrifft bestimmte Wirkstoffe. Deshalb ist die Packungsbeilage entscheidend.
Grapefruit ist kein allgemeines Medikamentenverbot. Sie kann aber bei bestimmten Arzneimitteln relevant sein. Wenn eine solche Wechselwirkung bekannt ist, wird darauf in den Arzneimittelinformationen hingewiesen.
Der NHS Specialist Pharmacy Service beschreibt Grapefruit als klinisch relevante mögliche Ursache von Arzneimittelinteraktionen, weil sie das Enzym CYP3A4 im Darm hemmen kann.
gesund.bund.de nennt daneben weitere mögliche Wechselwirkungen mit Lebensmitteln, unter anderem bei bestimmten Arzneimitteln in Verbindung mit Milchprodukten oder kalziumhaltigen Getränken.
Und was ist mit Alkohol?
Auch hier gibt es keine sinnvolle Regel nach dem Muster „eine kleine Menge geht immer“. Wie Alkohol mit einem Medikament zusammenspielt, hängt vom jeweiligen Wirkstoff ab.
Bei einigen Arzneimitteln können Müdigkeit, Benommenheit oder verlangsamte Reaktionen verstärkt werden. Bei anderen Kombinationen können zusätzliche gesundheitliche Risiken entstehen.
gesund.bund.de empfiehlt generell, Medikamente nicht zusammen mit Alkohol einzunehmen und nennt unter anderem Schlaf- und Beruhigungsmittel, bestimmte Psychopharmaka, Antihistaminika und starke Schmerzmittel als besonders relevante Gruppen.
Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur weist bei einzelnen zugelassenen Arzneimitteln ausdrücklich auf Wechselwirkungen mit Alkohol hin. Wie stark diese ausfallen, ist jedoch wirkstoffabhängig und lässt sich nicht auf sämtliche Medikamente übertragen.
Warum eine Liste aller „verbotenen Kombinationen“ wenig sinnvoll wäre
Im Internet finden sich lange Übersichten mit Medikamenten, die angeblich niemals zusammen genommen werden dürfen. Solche Listen können schnell irreführend werden.
Manche Kombinationen sind tatsächlich zu vermeiden. Andere werden bewusst gemeinsam eingesetzt, benötigen aber beispielsweise eine angepasste Dosierung oder ärztliche Kontrolle. Wieder andere sind nur bei bestimmten Erkrankungen oder zusätzlichen Medikamenten problematisch.
Eine einzelne Kombination kann deshalb nicht zuverlässig bewertet werden, ohne die gesamte Medikation und den gesundheitlichen Hintergrund einer Person zu berücksichtigen.
Besonders wichtig bei mehreren Dauermedikamenten
Je mehr verschiedene Präparate regelmäßig verwendet werden, desto schwieriger wird es, alle möglichen Wechselwirkungen selbst zu überblicken.
Das betrifft häufig ältere Menschen, aber nicht ausschließlich. Auch jüngere Patienten können mehrere Medikamente wegen unterschiedlicher Erkrankungen erhalten oder zusätzlich rezeptfreie Präparate verwenden.
Unübersichtlich wird es außerdem, wenn verschiedene Ärzte behandeln und nicht jeder automatisch weiß, was an anderer Stelle verschrieben wurde.
Eine einfache Medikamentenliste hilft
Dafür braucht es keine komplizierte Tabelle. Hilfreich sind schon:
- Name des Arzneimittels und Wirkstoff,
- Wirkstärke,
- wie oft es eingenommen wird,
- rezeptfreie Medikamente, die regelmäßig verwendet werden,
- Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate.
Diese Liste kann beim Arztbesuch oder in der Apotheke gezeigt werden. Vor allem bei einem neu verordneten Medikament lässt sich so schneller erkennen, was bereits eingenommen wird.
Was sollte man vor einem neuen Medikament erwähnen?
Am hilfreichsten ist eine vollständige Antwort. Nicht nur Dauermedikamente zählen dazu.
Erwähnt werden sollten auch Mittel, die nur gelegentlich genommen werden, pflanzliche Produkte, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel. Bei regelmäßigem Alkoholkonsum oder besonderen Ernährungsgewohnheiten kann auch das je nach Medikament relevant sein.
Das Ziel ist nicht, möglichst viele Kombinationen zu vermeiden. Es geht darum zu erkennen, welche Kombination im konkreten Fall tatsächlich eine Rolle spielt.
Medizinischer Hinweis: Bestehende Medikamente sollten wegen einer vermuteten Wechselwirkung nicht eigenständig abgesetzt oder in der Dosierung verändert werden. Bei einer neuen Kombination, unerwarteten Beschwerden oder Unsicherheit sollte die gesamte Medikation mit Arzt oder Apotheke geprüft werden.