Antibiotika richtig anwenden
Antibiotika können bakterielle Infektionen wirksam behandeln, müssen dafür aber passend zur jeweiligen Erkrankung ausgewählt und richtig eingenommen werden. Dosierung, Einnahmeabstände und Behandlungsdauer richten sich nach dem konkreten Wirkstoff und der ärztlichen Verordnung.
Besonders wichtig ist, nicht von Erfahrungen mit einem früheren Antibiotikum auf ein neues Präparat zu schließen.
Auf dem Rezept steht ein Antibiotikum, auf der Packung vielleicht „zweimal täglich“ – und schon beginnen die praktischen Fragen. Muss die Einnahme exakt alle zwölf Stunden erfolgen? Darf man vorher frühstücken? Was ist mit Milch, Magnesium oder einem Glas Wein am Abend?
Eine einzige Antwort für alle Antibiotika gibt es darauf nicht. Die Wirkstoffe unterscheiden sich zum Teil deutlich darin, wie sie aufgenommen werden, welche Lebensmittel ihre Wirkung beeinflussen können und wie lange sie bei einer bestimmten Infektion eingesetzt werden sollen.
Antibiotika wirken gegen Bakterien, nicht gegen Viren
Antibiotika werden eingesetzt, wenn eine bakterielle Infektion behandelt werden soll. Gegen Viren wirken sie nicht. Eine gewöhnliche Erkältung oder eine Influenza lässt sich deshalb nicht durch ein Antibiotikum verkürzen, solange keine zusätzliche bakterielle Erkrankung vorliegt.
Das ist auch der Grund, warum ein Antibiotikum, das bei einer früheren Erkrankung geholfen hat, bei ähnlich wirkenden Beschwerden einige Monate später nicht automatisch wieder die richtige Behandlung ist. Husten, Halsschmerzen oder Fieber sagen allein noch nichts darüber aus, welcher Erreger dahintersteckt.
Einnahmezeiten und Abstände
Bei einer Antibiotikatherapie kommt es nicht nur auf die tägliche Gesamtmenge an. Auch die Verteilung über den Tag kann wichtig sein, damit die Wirkstoffkonzentration ausreichend gleichmäßig bleibt.
„Zweimal täglich“ oder „dreimal täglich“ sollte deshalb nicht einfach mit „irgendwann morgens und abends“ beziehungsweise „zu drei Mahlzeiten“ gleichgesetzt werden. Wie die Verordnung konkret gemeint ist, hängt vom Präparat ab. Wenn der Einnahmeplan auf Rezept oder Packung nicht eindeutig ist, sollte er zu Beginn der Behandlung geklärt werden – nicht erst, nachdem mehrere Dosen zu unterschiedlichen Zeiten genommen wurden.
Die sicherste Orientierung ist die konkrete Verordnung. Einnahmezeiten und Dosierung sollten nicht eigenständig geändert werden, nur weil ein anderer Tagesrhythmus bequemer wäre.
Einnahme vor, zu oder nach dem Essen
Auch hier unterscheiden sich Antibiotika. Bei manchen Wirkstoffen spielt eine Mahlzeit kaum eine Rolle, andere sollen nüchtern oder mit einem bestimmten Abstand zum Essen eingenommen werden. Wieder andere werden zusammen mit Nahrung besser vertragen.
Deshalb ist eine allgemeine Regel wie „Antibiotika immer nach dem Essen nehmen“ falsch. Entscheidend sind die Angaben für das jeweilige Arzneimittel.
Milchprodukte, Calcium, Magnesium und Eisen
Ähnlich hartnäckig ist die Vorstellung, während einer Antibiotikatherapie müsse grundsätzlich auf Milch verzichtet werden. Auch das stimmt so nicht.
Bei bestimmten Antibiotika können Calcium und andere mehrwertige Mineralstoffe mit dem Wirkstoff Verbindungen bilden und dadurch seine Aufnahme aus dem Darm verringern. Relevant können neben Milchprodukten deshalb auch calciumreiches Mineralwasser sowie Nahrungsergänzungsmittel mit Calcium, Magnesium oder Eisen sein.
Diese Wechselwirkung betrifft jedoch nicht jedes Antibiotikum. Ob ein Abstand erforderlich ist und wie groß er sein soll, steht in der Packungsbeilage beziehungsweise kann in der Apotheke für den konkreten Wirkstoff geprüft werden.
Wasser ist für die Einnahme meist die einfachste Wahl
Ein Glas Leitungswasser ist für viele Tabletten und Kapseln die unkomplizierteste Variante. Andere Getränke können je nach Wirkstoff problematisch sein. Das gilt nicht nur für Milch: Auch Säfte, stark mineralhaltige Getränke oder Alkohol können bei einzelnen Arzneimitteln eine Rolle spielen.
Wer mehrere Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte diese ebenfalls erwähnen. Wechselwirkungen beschränken sich nicht auf Lebensmittel.
Eine vergessene Dosis nicht automatisch verdoppeln
Eine Tablette wurde morgens vergessen und erst am Nachmittag bemerkt. Nun einfach zwei nehmen? Genau dafür gibt es keine allgemeine Regel.
Bei manchen Präparaten kann eine ausgelassene Dosis noch nachgeholt werden, bei anderen ist es sinnvoller, bis zum nächsten vorgesehenen Einnahmezeitpunkt zu warten. Entscheidend sind Wirkstoff, Einnahmeintervall und die Zeit bis zur nächsten Dosis.
Eine doppelte Menge sollte nicht eigenständig als Ausgleich genommen werden. In der Packungsbeilage findet sich normalerweise ein eigener Hinweis zum Vorgehen bei einer vergessenen Einnahme.
Die Behandlungsdauer wird nicht nach dem Befinden festgelegt
Oft bessern sich Beschwerden schon, bevor die vorgesehene Behandlung beendet ist. Das ist kein Grund, das Antibiotikum automatisch früher abzusetzen.
Umgekehrt sollte die Behandlung auch nicht einfach verlängert werden, weil noch einzelne Symptome vorhanden sind. Die notwendige Dauer hängt von der Infektion, dem eingesetzten Wirkstoff und weiteren medizinischen Faktoren ab. Moderne Therapieschemata können je nach Erkrankung unterschiedlich lang sein.
Richtig ist daher nicht die pauschale Regel „jede Packung immer vollständig aufbrauchen“, sondern: Das Antibiotikum so lange und in der Dosierung einnehmen, wie es für diese Behandlung verordnet wurde.
Übrig gebliebene Antibiotika sind keine Reserve für die nächste Infektion
Ein paar Tabletten sind nach der Therapie noch übrig. Sie für den nächsten Husten oder die nächste Blasenentzündung aufzubewahren, klingt zunächst praktisch – medizinisch ist es keine gute Idee.
Schon bei ähnlichen Beschwerden kann eine völlig andere Ursache vorliegen. Selbst bei einer bakteriellen Infektion ist nicht jedes Antibiotikum gegen jeden Erreger geeignet. Dosierung und Behandlungsdauer können ebenfalls anders sein.
Dasselbe gilt für die Weitergabe an Familienmitglieder. Ein verschriebenes Antibiotikum gehört zu der Person und der Erkrankung, für die es verordnet wurde.
Weitere Informationen zu verschiedenen Wirkstoffen finden Sie in unserem Bereich Antibiotika.
Nebenwirkungen während der Behandlung
Magen-Darm-Beschwerden gehören zu den häufigeren Problemen während einer Antibiotikatherapie. Übelkeit, Bauchbeschwerden oder Durchfall können auftreten, weil Antibiotika nicht ausschließlich krankmachende Bakterien beeinflussen.
Nicht jeder weiche Stuhl ist ein medizinischer Notfall. Starker, anhaltender oder ungewöhnlicher Durchfall sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden – besonders wenn Fieber, starke Bauchschmerzen oder ein deutlich verschlechterter Allgemeinzustand hinzukommen.
Auch allergische Reaktionen sind möglich. Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Rachen, Kreislaufprobleme oder andere Zeichen einer schweren allergischen Reaktion erfordern sofortige medizinische Hilfe.
Antibiotikaresistenzen entstehen nicht beim Menschen
Wenn von „Antibiotikaresistenz“ gesprochen wird, entsteht leicht ein falsches Bild: Nicht der Körper gewöhnt sich an das Medikament. Bakterien können Eigenschaften entwickeln oder weitergeben, durch die ein Antibiotikum gegen sie nicht mehr ausreichend wirkt.
Jeder Antibiotikaeinsatz erzeugt dabei einen Selektionsdruck. Besonders problematisch ist eine Anwendung ohne medizinische Notwendigkeit oder eine ungeeignete Therapie. Das RKI bezeichnet den gezielten und sachgerechten Einsatz deshalb als einen zentralen Ansatz, um die Entstehung und Verbreitung resistenter Erreger zu begrenzen.
Für Patienten bedeutet das vor allem: keine alten Antibiotika auf eigene Faust einnehmen, keine Präparate anderer Personen verwenden und die verordnete Therapie nicht selbst verändern.
Antibiotika bewusst und nach Verordnung anwenden
Bei Antibiotika sind kleine praktische Details oft wichtiger als allgemeine Regeln aus dem Internet. Ob ein Präparat zu einer Mahlzeit passt, Abstand zu Mineralstoffen braucht oder zu bestimmten Uhrzeiten eingenommen werden soll, hängt vom Wirkstoff ab.
Wer die konkrete Verordnung und die Hinweise in der Packungsbeilage beachtet und Unklarheiten zu Beginn der Behandlung klärt, vermeidet viele typische Einnahmefehler.
Medizinischer Hinweis: Antibiotika sollten nur nach medizinischer Verordnung und entsprechend der festgelegten Dosierung und Behandlungsdauer angewendet werden. Bei starken Nebenwirkungen, einer vermuteten allergischen Reaktion oder Unsicherheit über die Einnahme sollte ärztlicher beziehungsweise pharmazeutischer Rat eingeholt werden.