Wie lagert man Medikamente zu Hause richtig?
Nicht jedes Medikament gehört in den Kühlschrank. Die meisten Arzneimittel können bei Raumtemperatur aufbewahrt werden. Entscheidend ist immer, was auf der Verpackung oder in der Packungsbeilage steht.
Ein trockener Platz ohne direkte Sonne ist für viele Medikamente geeignet. Badezimmer, Fensterbank oder ein aufgeheiztes Auto sind dagegen meist keine gute Wahl.
Wo liegen Ihre Medikamente zu Hause? Bei vielen Menschen ist es der Badezimmerschrank, eine Schublade in der Küche oder ein Regal, in dem alles zusammenkommt – Schmerzmittel, Nasenspray, Salben und die Medikamente, die täglich eingenommen werden.
Solange die Packung normal aussieht, macht man sich über die Lagerung meist wenig Gedanken. Dabei können Wärme, Feuchtigkeit, Licht und in manchen Fällen auch Kälte die Qualität eines Arzneimittels beeinflussen. Das Problem: Nicht jede Veränderung lässt sich mit bloßem Auge erkennen.
Die Packung sagt mehr als nur den Namen des Medikaments
Die richtige Lagerung lässt sich nicht für alle Arzneimittel mit einer einzigen Regel festlegen. Manche vertragen normale Raumtemperatur problemlos, andere müssen gekühlt werden. Wieder andere brauchen vor allem Schutz vor Feuchtigkeit oder Licht.
Deshalb sollte zuerst auf die Packung geschaut werden. Angaben wie „nicht über 25 °C lagern“, „im Kühlschrank lagern“ oder „vor Licht schützen“ haben einen konkreten Grund. Die Bedingungen werden für das jeweilige Arzneimittel festgelegt und beruhen auf Daten zu seiner Stabilität.
Praktisch für zu Hause: Medikamente möglichst in der Originalverpackung aufbewahren und die Packungsbeilage nicht wegwerfen. So bleiben Lagerungshinweise, Wirkstärke und Verfallsdatum eindeutig zuzuordnen.
Für viele Medikamente reicht ein normaler, trockener Schrank
Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums werden Arzneimittel häufig bei Raumtemperatur gelagert. Üblich ist dabei ein Bereich von 15 bis 25 °C; bei entsprechend gekennzeichneten Präparaten kann auch ein Bereich bis 30 °C vorgesehen sein.
Für den Alltag bedeutet das nicht, dass zu Hause ein spezieller Medikamentenschrank mit Temperatursteuerung nötig ist. Ein trockener, geschützter Platz in einem normal temperierten Wohnraum reicht für viele Präparate aus.
Ungünstig sind dagegen Stellen, an denen sich die Temperatur stark verändert. Dazu gehören beispielsweise eine Fensterbank mit direkter Sonne, ein Platz unmittelbar neben der Heizung oder ein Schrank über einem häufig genutzten Herd.
Warum Medikamente im Badezimmer oft falsch aufgehoben sind
Ausgerechnet dort, wo der klassische Medizinschrank hängt, sind die Bedingungen häufig nicht besonders günstig.
Nach dem Duschen steigt die Luftfeuchtigkeit deutlich an, gleichzeitig verändert sich die Raumtemperatur. Diese Schwankungen sind ein Grund, warum das Bundesgesundheitsministerium das Badezimmer als wenig geeigneten Aufbewahrungsort für Arzneimittel bezeichnet.
Ein trockener Schrank im Schlafzimmer oder Flur ist häufig die bessere Lösung – vorausgesetzt, die Medikamente sind dort vor Kindern geschützt und die vorgeschriebenen Temperaturen werden eingehalten.
Welche Medikamente gehören in den Kühlschrank?
Nur solche, bei denen eine Kühllagerung ausdrücklich vorgesehen ist. Die ABDA weist darauf hin, dass die meisten Arzneimittel bei Raumtemperatur transportiert und gelagert werden können.
Bei kühlpflichtigen Medikamenten liegt der angegebene Bereich normalerweise bei 2 bis 8 °C. Solche Präparate sollten nach dem Einkauf entsprechend den Angaben auf der Packung in den Kühlschrank gelegt werden.
Das bedeutet aber nicht: Je kälter, desto besser.
Kühlpflichtig bedeutet nicht gefrieren: Arzneimittel, die bei 2 bis 8 °C gelagert werden sollen, dürfen in der Regel keinen Frost bekommen. Durch Einfrieren können sich bestimmte Arzneimittel verändern und dadurch unbrauchbar werden.
Einfach vorsorglich alles in den Kühlschrank legen?
Das ist ebenfalls keine gute Idee. Für Medikamente, die ausdrücklich bei Raumtemperatur gelagert werden sollen, bringt die zusätzliche Kühlung keinen Vorteil. Bei manchen Präparaten können niedrige Temperaturen sogar problematisch sein.
Die Packungsangabe bleibt deshalb wichtiger als jede allgemeine Faustregel.
„Nicht über 25 °C lagern“ – was passiert an einem warmen Sommertag?
Diese Angabe sorgt gelegentlich für Unsicherheit. Steigt die Raumtemperatur für kurze Zeit etwas über 25 °C, heißt das nicht automatisch, dass alle Medikamente sofort entsorgt werden müssen.
Das Bundesgesundheitsministerium schreibt, dass eine kurzzeitige und geringfügige Abweichung bei Arzneimitteln für Raumtemperatur in der Regel unproblematisch ist. Anders sieht es aus, wenn ein Medikament über längere Zeit deutlich höheren Temperaturen ausgesetzt war.
Ein typisches Beispiel ist das Auto im Sommer. Im Innenraum können sehr hohe Temperaturen entstehen. Medikamente sollten deshalb nicht über Stunden im Handschuhfach, auf dem Sitz oder im Kofferraum liegen bleiben.
Auch direkte Sonne kann zum Problem werden
Eine Packung auf der Fensterbank bekommt unter Umständen gleichzeitig Licht und Wärme ab. Beides kann bei empfindlichen Arzneimitteln unerwünscht sein.
Die Originalverpackung schützt manche Medikamente zusätzlich vor Licht. Auch deshalb ist es meist sinnvoller, Tabletten, Kapseln oder andere Arzneiformen nicht ohne Grund aus ihrer Verpackung in andere Behälter umzufüllen.
Woran erkennt man ein beschädigtes Medikament?
Manchmal ist eine Veränderung deutlich zu sehen. Eine Creme kann flüssiger werden, ein Zäpfchen kann sich verformen oder Tabletten können sich verfärben.
Auch ungewöhnlicher Geruch, Risse, eine aufgeblähte Verpackung oder eine auffällig trübe Flüssigkeit können Anlass sein, genauer hinzusehen.
Allerdings gibt es auch Veränderungen, die von außen überhaupt nicht erkennbar sind. Nur weil ein Medikament genauso aussieht wie vorher, lässt sich daraus nicht sicher ableiten, dass eine längere falsche Lagerung keine Folgen hatte.
Im Zweifel nicht raten: Wenn ein Arzneimittel längere Zeit großer Hitze, Frost oder anderen ungeeigneten Bedingungen ausgesetzt war, kann die Apotheke anhand des konkreten Präparats besser einschätzen, wie weiter vorzugehen ist.
Medikamente auf Reisen: Hitze ist oft das größere Problem
Zu Hause findet sich meist schnell ein geeigneter Platz. Unterwegs wird es schwieriger – besonders im Hochsommer.
Medikamente sollten möglichst nicht stundenlang in direkter Sonne liegen. Auch im geparkten Auto sollte man sie nicht zurücklassen. Bei einer längeren Fahrt ist es sinnvoll, sie dort aufzubewahren, wo sie vor starker Erwärmung geschützt sind.
Bei Arzneimitteln, die durchgehend gekühlt werden müssen, sollte vor der Reise genauer geplant werden. Eine geeignete Kühltasche kann notwendig sein. Das Medikament darf dabei jedoch nicht automatisch direkten Kontakt mit einem gefrorenen Kühlakku haben, wenn dadurch ein Einfrieren möglich wäre.
Vor längeren Reisen kurz nachsehen
Gerade bei Medikamenten, die täglich gebraucht werden, lohnt sich vor der Abfahrt ein Blick in die Packungsbeilage. Dort lässt sich klären, ob besondere Bedingungen für Transport und Lagerung gelten.
Bei empfindlichen Arzneimitteln kann außerdem vorab in der Apotheke gefragt werden, wie die Kühlung während einer längeren Fahrt oder Flugreise praktisch umgesetzt werden sollte.
Fünf Dinge, die bei der Lagerung häufig schiefgehen
- Medikamente werden dauerhaft im feuchten Badezimmer aufbewahrt.
- Eine Packung bleibt im Sommer im Auto liegen.
- Arzneimittel werden ohne Prüfung der Lagerungshinweise in den Kühlschrank gestellt.
- Kühlpflichtige Präparate kommen direkt mit einem gefrorenen Kühlakku in Kontakt.
- Die Originalverpackung wird entsorgt und später ist nicht mehr klar, welche Lagerungsbedingungen gelten.
Keine dieser Situationen bedeutet automatisch, dass ein Medikament danach unbrauchbar ist. Entscheidend sind das konkrete Präparat, die Temperatur und die Dauer der Abweichung.
Auch nach dem Öffnen können andere Regeln gelten
Nicht vergessen sollte man Arzneimittel, die bereits angebrochen sind. Bei manchen Produkten beginnt nach dem ersten Öffnen eine eigene Verwendungsfrist.
Das kann beispielsweise bei bestimmten Augentropfen oder anderen flüssigen Präparaten relevant sein. Auf Verpackung oder Packungsbeilage steht dann, wie lange das Produkt nach dem Öffnen verwendet werden darf und ob sich anschließend die Lagerungsbedingungen ändern.
Eine einfache Gewohnheit hilft: Wenn für ein Präparat eine begrenzte Haltbarkeit nach Anbruch gilt, das Öffnungsdatum direkt auf die Packung schreiben.
Wo Medikamente zu Hause am besten stehen
Der ideale Platz muss nicht kompliziert sein. Für viele Arzneimittel genügt ein trockener Schrank, der vor direkter Sonne und größeren Temperaturschwankungen geschützt ist.
Wichtig ist außerdem, dass Kinder keinen Zugang haben. Medikamente sollten auch dann sicher aufbewahrt werden, wenn die Verpackung harmlos aussieht oder das Mittel rezeptfrei erhältlich ist.
Für alles Weitere gilt eine erstaunlich einfache Regel: Nicht nach Gefühl lagern, sondern nach der Angabe auf der Packung. Und wenn nach einer Hitzewelle, einer Reise oder einem versehentlichen Einfrieren Unsicherheit besteht, lieber einmal konkret nachfragen, statt das Präparat selbst zu beurteilen.
Medizinischer Hinweis: Lagerungsbedingungen unterscheiden sich je nach Arzneimittel. Maßgeblich sind die Angaben des Herstellers auf Verpackung und Packungsbeilage. Bei sichtbaren Veränderungen oder einer deutlichen Abweichung von den vorgeschriebenen Bedingungen sollte vor der weiteren Anwendung eine Apotheke oder Arztpraxis gefragt werden.